Der Nordosten Brasiliens

Ebenso wie Europa hat auch Brasilien mit seinen 190 Millionen Einwohnern und seiner großen Ausdehnung – 25 mal größer als Deutschland – strukturschwache Zonen.  Eine solche „Problem-Zone“ ist der Nordosten mit dem Bundesstaat Bahia und der Hauptstadt Salvador. Er ist geprägt durch den starken Gegensatz von heißem, trockenem Hinterland (Sertão) und einem schmalen fruchtbaren, ehemals mit Urwald bedeckten Küstenstreifen (Floresta atlantica).
In Bahia war die rasche Verbreitung der Zuckerrohrindustrie nur mit Hilfe von Millionen aus Afrika verschleppter Sklaven möglich – mehr als 80% der Bevölkerung haben hier eine dunkle Hautfarbe. Das verstärkt das Vorurteil, der Nordosten Brasiliens sei rückständig und unterentwickelt.
Lange Trockenheitsperioden erschweren Ackerbau und Viehzucht. Über 60% der über 40-Jährigen können nicht lesen und schreiben, das offizielle  monatliche Mindesteinkommen liegt bei 250 €.
Hier sind noch in den sechziger und siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts Hunderttausende verhungert, ohne daß die Weltöffentlichkeit davon Notiz genommen hat.
Heute ist diese Region  immer noch gekennzeichnet durch hohe Arbeitslosigkeit. Die  Kindersterblichkeitsrate und Unterernährung haben sich durch die staatliche Unterstützung mit der „bolsa da familia“ deutlich verbessert.
Daher haben wir diese Region für unser Projekt ausgewählt.
Die Karte zeigt die großen Entfernungen: Bahia ist etwa so groß wie Deutschland. Várzea liegt 300km nord-westlich von der Haupt- und Hafen-Stadt Salvador.
Die Hauptverbindungsstraßen sind ausgebaut, jedoch benötigt man für 100km immer noch durchschnittlich 1 ½ Stunden. Ein gut ausgebautes Omnibusnetz sorgt für den Transport.